23.07.2020Lombardei

WIE WERDEN SKIGEBIETE “SMART“? NACHHALTIGER WINTERTOURISMUS – DER FACHÜBERGREIFENDE ANSATZ DES PROJEKTS SMART ALTITUDE

NACHHALTIGER WINTERTOURISMUS – DER FACHÜBERGREIFENDE ANSATZ DES PROJEKTS SMART ALTITUDE

Der Klimawandel und das Erfordernis einer Reduzierung von Treibhausgasemissionen, die effiziente Nutzung von (erneuerbarer) Energie und eine stärkere Resilienz der Bergregionen mit Wintertourismus zwingen die Skigebiete in den europäischen Alpengebieten, nach „intelligenten“ Ansätzen für den Übergang zu einem nachhaltigen System mit geringem CO2-Ausstoß zu suchen. In diesem Zusammenhang gelten eine verbesserte Energieeffizienz, die Einbeziehung erneuerbarer Energien und die stärkere Nutzung einheimischer Ressourcen als eine mögliche praktikable Strategie.

Das Projekt Smart Altitude zielt auf eine schnellere Umsetzung der Maßnahmen für einen verringerten CO2-Ausstoß in den Wintertourismusregionen. An dem aus Mitteln des Programms INTERREG – Alpine Space finanzierten Projekt nehmen sechs europäische Länder und zehn Partner teil: Gemeinde Les Orres (FR) (Lead Partner), Business Support Centre Kranj (SL), Centre de Recherches Energétiques et Municipales (CH), EDF Electricité de France (FR), Stiftung Bruno Kessler (IT), Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (AT), Rekreacijsko turistični center Krvavec (SL), Steinbeis 2i (DE), Trentino Sviluppo (IT), UNIMONT, Universität Mailand (IT)). Die Ziele des Projekts Smart Altitude decken sich teilweise mit dem Konzept der Smart City bzw. des Smart Village, insbesondere hinsichtlich einer effizienteren und nachhaltigeren Energienutzung durch Innovation und intelligente Strategien; dazu gehören die Überwachung in Echtzeit des Energieverbrauchs, die Einbindung erneuerbarer Energien und sogenannte smarte Netze, alles mit dem Ziel einer CO2-armen Wirtschaft.

Mit dem Projekt Smart Altitude soll ein Entscheidungsmechanismus in mehreren Schritten entwickelt werden (verfügbar unter smartaltitude.eu). Dadurch erhalten die Skigebiete 1) eine Rückmeldung über ihre Energienachfrage, 2) einen Überblick über die vor Ort verfügbaren erneuerbaren Energiequellen und 3) vertiefte Hinweise auf ihre Möglichkeiten, ihre Energieeffizienz durch Low Carbon-Maßnahmen zu verbessern. Zu diesem Zweck wurden verschiedene Technologien eingesetzt: Energieaudits, eine GIS-basierte Anwendung im Web und die „Living Labs“ (Lebende Labore). Als Standorte für die lebenden Labore wurden ausgewählt: Les Orres (Frankreich), Madonna di Campiglio (Italien), Krvavec (Slowenien) und Verbier (Schweiz). Für die sogenannten Living Labs gibt es noch keine eindeutige Definition, aber die folgenden gemeinsamen Eigenschaften lassen sich nennen: Sie sind flexibel und nutzerfreundlich, sie bilden ein lebensechtes Umfeld ab und fördern die gemeinsame schöpferische Tätigkeit und Zusammenarbeit mehrerer Akteure mit unterschiedlichen, teilweise in Konflikt stehenden Interessen wie Gesellschaft, Wissenschaft, Industrie und Politik. Diese sogenannte „Kooperation in der Vierfach-Helix“ ist ein partizipativer Prozess, in dem Hochschulen, Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft gemeinsam neue Erkenntnisse gewinnen und neue Technologien und Innovationen hervorbringen, die die Bedürfnisse von Wirtschaft und Gesellschaft erfüllen. Die am Projekt beteiligten Living Labs haben den von Smart Altitude für ihre Skianlagen vorgeschlagenen Lösungsansatz mit dem Konzept der Vierfach-Helix getestet.       

Die transdisziplinären Ansätze für einen nachhaltigen Wintertourismus in den Skigebieten sind ein vielversprechender Schritt hin zu einer CO2-armen Wirtschaft. In diesem Sinne ist zu hoffen, dass die Herangehensweise des Projekts Smart Altitude auch an anderen Standorten umgesetzt wird und die Living Labs der vier Skiorte Vorbilder werden, die in anderen Skistationen der Alpen nachgeahmt werden können.

¹Ge.S.Di.Mont - Exzellenzcluster UNIMONT- Edolo - www.unimontagna.it

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