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19.12.2019St. Gallen

Wenn die Netze leer bleiben

Versuchsfänge der Felchen gehören zur Routine der Fischereiaufseher

Mit Versuchsfängen kontrollieren die Fischereibehörden den Fischbestand und überwachen die Altersstruktur der Felchen. Jedes Jahr im Spätherbst, wenn die Laichzeit der Felchen bevorsteht, prüfen sie zudem, ob genügend laichreife Fische in den Probenetzen gefangen werden. Seit einiger Zeit fällt diese Routine immer schwerer. Die Anzahl der Felchen im Bodensee nimmt immer stärker ab.

Es ist noch dunkel. Jörg Schweizer verstaut zusammen mit seinen Begleitern die Geräte und Werkzeuge auf dem Boot, die er für die Kontrollfänge braucht. Schweizer ist Betriebsleiter des Fischereizentrums Steinach. Er steuert aus dem Hafen Steinach und hält auf den offenen See zu. Dichter Nebel liegt über dem Wasser. Dank Ortskenntnissen und Navigationsgerät kann er sich auch bei schlechter Sicht problemlos orientieren. Zielsicher steuert er die am Vorabend ausgelegten Netze an, zusammen mit seinen Männern hievt er sie ins Boot.

Fänge geben Aufschluss über Fischbestände

Mit solchen regelmässigen Probefängen kontrollieren die Fischereibehörden den Fischbestand im Bodensee und überwachen die Altersstruktur der Felchen. Auf Basis der Daten erstellen sie Fangprognosen und steuern die zugelassenen Fanggeräte der Berufsfischer. Aber: In den vergangenen Jahren bleiben die Probenetze mehr und mehr leer – eine traurige Bilanz für Jörg Schweizer und für die Berufsfischer.

Die Bilder gleichen sich

Jörg Schweizer und seine Begleiter sind zurück im Steinacher Hafen und bringen den mageren Probefang ins Fischereizentrum. Wiegen, vermessen, Schuppenproben nehmen, filetieren – die Handgriffe sind geübt. Später macht Schweizer die Büroarbeit. Er erfasst die erhobenen Daten und erstellt die Statistik für den vergangenen Monat. Besorgt blickt er auf die Septemberzahlen der vergangenen Jahre. «Der Vergleich zeigt auch in diesem Monat wieder dasselbe Bild: eine enorme Abnahme der Fänge», schreibt er an die Fischereibehörde. Enttäuschung und Sorge schwingen deutlich hörbar mit. Felchen zappelten seit jeher am häufigsten in den Netzen der Berufsfischer und machten den grössten Teil ihres Umsatzes aus. Man nannte die Felche deshalb auch den «Brotfisch». In guten Jahren betrug der Fang im Bodensee bis zu 900 Tonnen. Letztes Jahr waren es noch knapp 130 Tonnen.

Kein Fischlaich, keine Jungfische

Im vergangenen Jahr fiel der sogenannte Laichfischfang im Spätherbst erstmals seit 1964 vollständig aus. Bei diesem werden laichreife Fische aus dem See geholt, ihr Laich dient dann der Vermehrung in der Fischereizucht. Letztes Jahr hatte es schlicht zu wenig Fische dafür. Und auch dieses Jahr könnte das passieren. Die Folge: kein Laichfischfang im Dezember, keine Erbrütung während des Winters, kein Einsetzen von Jungfelchen im Frühling. Noch gibt es Hoffnung, aber die Zeichen stehen schlecht. Es könnte auch sein, dass es in diesem Winter keine jungen Felchen aus der Fischereizucht geben wird. Auch das eine traurige Wiederholung, die für alle Betroffenen nie zur Routine werden wird.

Karin Ulli, Verwaltungsmitarbeiterin Amt für Natur, Jagd und Fischerei, und Christoph Birrer, Abteilungsleiter Fischerei, Volkswirtschaftsdepartement

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