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31.10.2019Lombardei

Tatarischer Buchweizen aus dem Veltlin: eine traditionelle Art in der Lombardei, eine Ressource für die Bergregion

Buchweizen ist eine wichtige Kulturpflanze unserer Alpen. Zudem hat er Bedeutung für das Ökosystem und die Landschaft und ist im Sommer und Herbst eine Nahrungsquelle für Honigbienen und solitär lebende Bestäuber.

Leider ist es aufgrund der Abwanderung von landwirtschaftlichen Betrieben aus den Berggebieten ein immer seltener werdendes Erlebnis, den Anblick eines blühenden Buchweizenfeldes bewundern zu können.

Der Anbau des Veltliner tatarischen Buchweizens (Fagopyrum tataricum Gaertn.), einer einheimischen einjährigen Art des tatarischen Buchweizens, war laut historischen Zeugnissen im Vallecamonica bis in die Fünfzigerjahre weit verbreitet, während die Pflanze heute fast ganz verschwunden und vom Aussterben bedroht ist.

Es handelt sich bei dieser Pflanze um eine Landrasse, d.h. sie hat eine genau bestimmte genetische Identität, ihr Ursprung ist historisch zurückverfolgbar, sie wurde nicht industriell gezüchtet  und ist außerdem klar zu unterscheiden und genetisch an ihr Anbaugebiet angepasst.

2017 haben Wissenschaftler des Zentrums für Angewandte Forschung für eine Nachhaltige Bewirtschaftung und den Schutz der Bergwelt (Ge.S.Di.Mont., Universtiät Mailand), deren Neugier von dieser Pflanze, die nunmehr fast ausschließlich auf den Buchweizenäckern des Veltlins anzutreffen war, angeregt worden war, beschlossen, eine Reihe agronomischer und phytochemischer Studien mit dem Ziel ihrer Charakterisierung durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Pflanze rustikaler und besser kultivierbar ist als andere Arten des tatarischen Buchweizens in den herkömmlichen Anbaugebieten und zudem mehr gesundheitsförderliche Substanzen wie Rutin und Quercetin und weniger durch die Ernährung aufgenommene schädliche Stoffe wie Fagopyrin enthält (wovon hingegen mehr im herkömmlichen Buchweizen vorkommt).

Quercetin und Rutin gehören zu einer als Bioflavonoide bezeichneten Gruppe von Inhaltsstoffen. Sie sind auch als Vitamin P bekannt und haben offenkundig wichtige Funktionen für die menschliche Gesundheit, insbesondere bei der Prävention von Herzinfarkten und Gefäßerkrankungen, durch ihre antioxidative Wirkung gegen freie Radikale und durch ihren antikanzerogenen Effekt. Sie werden eingesetzt in der Behandlung von Kapillarschwäche, Krampfadern, Hämorrhoiden, Blutergüssen, Muskelzerrungen und Thrombosen. In Asien, seiner Herkunftsregion, gilt der Buchweizen als Arzneipflanze, während er in Italien immer als Zutat in der Küche (für Polenta, Pizzoccheri und verschiedene Nudelsorten, Brot, Kekse…) verwendet wurde.

Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler des Forschungszentrum Ge.S.Di.Mont. ist der Veltliner Buchweizen für die Berggebiete sowohl im Hinblick auf seinen Anbau und seine Verwendung in der Küche als auch für die Erzeugung regionaltypischer und innovativer Nahrungsmittel (Superfoods) ein interessantes Produkt.

Die Studie ist das positive Ergebnis interdisziplinärer Forschung und der Zusammenarbeit zwischen einem Forschungszentrum (CRC Ge.S.Di.Mont.), einer Gebietskörperschaft (Region Lombardei, auf der Grundlage des Kooperationsvertrages über wissenschaftliche und angewandte Forschung und die Verbreitung von Erkenntnissen über die Berggebiete der Lombardei zwischen der Region Lombardei und Ge.S.Di.Mont.; Art. 4, Abs. 7, Regionalgesetz 22/2016) sowie zwischen Landwirten, zu deren Aufgaben die Erhaltung autochthoner Sorten in den Berggebieten gehört.

Es ist dies ein Ausgangspunkt und die Grundlage des erforderlichen Wissens, um die Erhaltung und Förderung des Veltliner tatarischen Buchweizens voranzutreiben; wir hoffen, dass er eine regionaltypische Ressource für die Erzeugung gesunder und einzigartiger Lebensmittel hoher Qualität wird, und damit eine Ressource für die Wirtschaft eines Berggebiets in den Alpen und generell eine Bereicherung der traditionellen alpenländischen Küche.

Valeria Leoni¹, Luca Giupponi¹, Giulia Ceciliani¹, Anna Giorgi¹
¹Ge.S.Di.Mont – Exzellenzzentrum UNIMONT- Edolo - www.unimontagna.it

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