30.06.2021Lombardei

Studium und Domestizierung von Arzneipflanzen als Mittel gegen die Verarmung des Naturerbes der Alpen

Das Beispiel Arnica montana (Echte Arnika oder Bergwohlverleih)

Arzneipflanzen werden sehr oft aus dem Ausland importiert. Aufgrund der Komplexität der Handelsbeziehungen zwischen den Firmen und den Sammlern von wild wachsenden Pflanzen in Gebieten und Ländern, in denen oft andere Regeln als in der EU gelten, handelt es sich großteils um einen nicht formell geregelten Handel, dessen Umfang unterschätzt wird. Es ist daher eher schwierig, illegale oder nicht nachhaltige Aktivitäten zu überprüfen. Bei diesen Arzneipflanzen handelt es sich oft um unter Schutz stehende und in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN aufgeführte Arten. Vor diesem Hintergrund sind Forschungsarbeiten über die Fragen der Domestizierung und Charakterisierung einiger Arten von Duft- und Heilpflanzen von grundlegender Bedeutung, um diese Branche nachhaltiger zu machen.

Viele Arzneipflanzen wachsen in alpinem Gelände und sind an diese Standorte angepasst. Damit bieten sich für die landwirtschaftlichen Betriebe in Rand- und Berggebieten interessante Perspektiven für alternative Anbauformen. Arnica montana (Arnica montana L. - Echte Arnika oder Bergwohlverleih) ist beispielsweise ein beliebtes Wundkraut für die äußere Anwendung bei Verletzungen und Unfällen. Arnika kam früher häufig auf mageren Bergwiesen vor; aufgrund der fehlenden Überwachung des Sammeln und des zunehmenden Verschwindens ihres Lebensraums mit der Aufgabe der herkömmlichen Weidewirtschaft ist die Pflanze nun aber selten geworden und steht daher auf der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN. Wie bei vielen anderen Arzneipflanzen stammt ein Großteil des Materials, das auf den Markt der Produkte auf Arnikabasis gelangt, aus der Sammlung von wild wachsenden Pflanzen und kommt aus dem Ausland. Der Anbau von Arnika an heimischen Standorten könnte daher den Bedarf für die Herstellung von Heilkräuterprodukten decken und die natürlichen Vorkommen erhalten. Vor allem aufgrund des hohen Preises der Stecklinge, die oft im Ausland und in nicht standortnahen Pflanzenschulen gekauft werden, was das Risiko einer genetischen Verschmutzung der Populationen von spontan wachsender heimischer Arnika mit sich bringt, wird dieser Anbau bisher aber wenig praktiziert und ist ziemlich teuer.  

In diesem Zusammenhang steht das Charakterisierungsprojekt des Exzellenzclusters UNIMONT-GESDIMONT, eines innovativen Forschungszentrums für die Entwicklung der Berggebiete (https://www.unimontagna.it/), das in Zusammenarbeit mit dem landwirtschaftlichen Unternehmen Shanty Maè (http://www.dislivelli.eu/blog/dalla-franciacorta-alla-val-saviore-paolo-e-sara-della-shanty-mae.html) in der Bioregion Vallecamonica und im Naturpark Adamello durchgeführt wurde. Ziel war es, die Keimfähigkeit der wilden Arnika im Vallecamonica und ihre phytochemischen Eigenschaften zu untersuchen und sie mit der im selben Gebiet angebauten Arnika zu vergleichen, um so festzustellen, inwiefern sie vermehrt und als Heilpflanze genutzt werden kann.

Die Möglichkeit, A. montana in Randgebieten anzubauen, ist von Interesse für die Bergbauern, die auf der Suche nach alternativen Kulturen, die nur für Bergregionen in Frage kommen, sind. Die Aufzucht von Jungpflanzen „vor Ort“ könnte sowohl für die Landwirte (die ihre Kulturen oft mit Material aus externer Vermehrung erneuern) als auch mit Blick auf den Naturschutz ein sehr interessantes Unterfangen sein. Gegenwärtig werden Studien zu den Unterschieden zwischen den wild wachsenden Populationen von A. montana durchgeführt; diese sind besonders dringlich, da es bei einigen Arzneipflanzen kaum zu einer Verbesserung der genetischen Eigenschaften kommt und es immer häufiger erforderlich ist, Heilkräuterprodukte aus Anbau zu nutzen, um die wilden Bestände vor übermäßigem Sammeln zu schützen und sie zu erhalten. (Weitere Informationen unter https://www.unimontagna.it/pubblicazioni/comparing-wild-and-cultivated-arnica-montana-l-from-the-italian-alps-to-explore-the-possibility-of-sustainable-production-using-local-seeds/).

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