12.01.2022Südtirol

Gletscher als Indikatoren des Klimawandels

Wie stark schwinden die Gletscher? Damit befasst sich das Gletschermonitoring-Konzept für Südtirol und Tirol GLISTT. Das Interreg-Projekt wurde Anfang Dezember 2021 offiziell abgeschlossen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass gegen Ende des 21. Jahrhunderts nur mehr weniger als ein Zehntel der aktuellen Wasserspende aus Gletscherschmelze zur Verfügung stehen wird. Vier Jahre lang haben Forscher und Forscherinnen mit traditionellen Gletschermessverfahren und modernsten Fernerkundungstechnologien die Gletscher in Südtirol und Tirol untersucht.

"Die Beobachtung der Veränderungen der Kryosphäre und der Morphologie des Hochgebirges ist von grundlegender Bedeutung", betonte der Direktor des Landesamtes für Hydrologie und Stauanlagen in der Agentur für Bevölkerungsschutz Roberto Dinale. Mit Rudolf Sailer von der Universität Innsbruck und Claudia Notarnicola von Eurac Research war er federführend am innovativen Konzept zum grenzübergreifenden Gletschermonitoring unter besonderer Berücksichtigung der Anwenderorganisationen in den Bereichen Hydrologie, Naturgefahren, Wasser- und E-Wirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus beteiligt. 

"Der Rückzug der Gletscher", erklärte der Direktor der Agentur für Bevölkerungsschutz Klaus Unterweger bei der Eröffnung der Abschlusskonferenz, "hat gravierende Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und die Fließgewässer. Deshalb gilt es, die zentrale Bedeutung für ihren Schutz noch stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein zu heben."

Der Rektor der Universität Innsbruck Tilmann Märk verwies auf die gute und konstruktive Zusammenarbeit der Projektpartner und hob hervor, dass dieses Projekt einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis des Gletscher- und Klimawandels in den Alpen leiste: "Für die vor uns stehenden Aufgaben zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels bilden diese wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse eine wichtige Grundlage." Die Gletscher als "die augenscheinlichen Indikatoren des Klimawandels", unterstrich auch der Präsident von Eurac Research Roland Psenner, "werden damit zu Vorboten seiner zu erwartenden schwerwiegenden Folgen".

Um die Gletscher im grenzüberschreitenden Projektgebiet kontinuierlich und in Echtzeit beobachten zu können, wurden im Rahmen von GLISTT fünf Webcams installiert, um die Gletschergebiete zu überwachen. Bilder in Echtzeit können über die Projekt-Website www.uibk.ac.at/geographie/projects/glistt/ abgerufen werden.

Leadpartner des Projektes GLISTT - Interregionales Gletschermonitoringkonzept für die Region Südtirol-Tirol Interreg V-A Italien-Österreich 2014-2020 sind das Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften und das Institut für Geographie an der Universität Innsbruck, Partner sind Eurac Research und die Agentur für Bevölkerungsschutz in Bozen.

Maja Clara

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