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04.09.2019Salzburg

Gesicherte Daten über unsichere Felszonen

Forschungen am Ödenwinkelkees im Stubachtal im Pinzgau sollen wichtige Erkenntnisse liefern, um künftig Gefahren und Risiken von Felsstürzen besser einschätzen zu können.

Felsstürze im Hochgebirge, Vermurungen in den Gebirgstälern – Szenarien, die es auch in Salzburg in den vergangenen Jahren gegeben hat. Mit ein Grund dafür ist, dass der Klimawandel die Gletscher schmelzen lässt und die dadurch freigelegten Felsareale an Stabilität verlieren. Um mehr über diese Problemzonen zu erfahren und Methoden zur Früherkennung von Gefahren zu entwickeln, läuft im Land Salzburg ein Forschungsprojekt zum Thema Felsinstabilitäten im Permafrost.

"Der Klimawandel und seine Folgen bzw. der Klimaschutz sind Kernthemen der Arge Alp. In diesem Bereich werden seit einigen Jahren vermehrt Forschungsprojekte unterstützt, die für den gesamten Alpenraum von großer Bedeutung sind", so Landeshauptmann Wilfried Haslauer, und weiter: "Vom aktuellen Forschungsprojekt erwarten wir wichtige Erkenntnisse, um Gefahren und Risiken künftig besser einschätzen zu können und so die Sicherheit für die Bevölkerung weiter zu erhöhen."

Forschungen am Ödenwinkelkees im Pinzgau

Das mehrjährige Projekt wird unter Salzburger Leitung in Zusammenarbeit mit Partnern aus Tirol und Bayern durchgeführt. Finanziert wird es maßgeblich von der Arge Alp. Schauplatz ist das Ödenwinkelkees im Stubachtal in der Gemeinde Uttendorf im Pinzgau. Dort wurden Sensoren und Kameras installiert.

Übergang von Fels auf Eis kaum erforscht

"Eine statistische Auswertung in Salzburg hat gezeigt, dass die meisten Felsstürze knapp oberhalb des Gletscherrandes ihren Ausgang nehmen. Es liegt somit auf der Hand, dass der Übergangsbereich von Eis zu Fels einen großen Einfluss auf die Stabilität des Gebirges besitzt. Trotz zahlreicher Forschungen zum Thema Gletscher und Permafrost ist bisher über diesen speziellen Bereich der Gletscher-Randklüfte wenig bekannt", so Projektleiter Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst, der ergänzt: "Uns interessieren vor allem der Einfluss der Temperatur auf die mechanische Verwitterung des Gesteines. Auch der Einfluss des Gletschereises auf den begrenzenden Fels ist bislang nicht ausreichend untersucht."

Langzeitmonitoring, Kartierung und 3D-Modelle

Bei diesem Vorhaben werden im Stubachtaler Ödenwinkelkees Gletscher-Randklüfte und deren Umfeld mit hochsensiblen Sensoren ausgestattet. Über ein Langzeitmonitoring werden die Parameter Temperatur und Feuchtigkeit erfasst. Die Gletscherdynamik und Veränderungen in der Felswand sollen mit Kameras und Laser-Vermessungen dokumentiert und durch eine klassische Kartierung die geologisch-geotechnischen Gegebenheiten erhoben werden. In weiterer Folge werden die felsmechanischen Parameter bestimmt und das Versagen eines Felskörpers simuliert.

Frühwarnsystem für die Bevölkerung

Als Ziele des Projektes sollen die Stabilität der untersuchten Felsbereiche analysiert, die Eintrittswahrscheinlichkeit von Felsstürzen bewertet und daraus resultierende Gefahren und Risiken beschrieben werden. "Die Erkenntnisse sollen helfen, die komplexe Kinematik von Felsstürzen im Permafrost besser zu verstehen und Methoden für deren Früherkennung entwickeln zu können", fasst Valentin zusammen.

135.000 Euro für die Forschung bis 2020

Das Projekt ist bis Ende 2020 anberaumt. Projektpartner des Landes Salzburg sind die Georesearch Forschungsgesellschaft mbH in Wals-Siezenheim, die Universität Salzburg, die Technische Universität München und das Institut für interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Arge Alp unterstützt das Forschungsprojekt mit 135.000 Euro.

Fotos:
© Georesearch

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