Digitale App, gemeinsame Ausbildung und innovative Lawinenszenariokarten: Das Projekt Cairos der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino hebt die Zusammenarbeit der Lawinenkommissionen im Alpenraum auf ein neues Niveau.
In der Axamer Lizum in Tirol haben VertreterInnen aus Tirol, Südtirol und dem Trentino die Ergebnisse des Euregio-Projekts Cairos vorgestellt. Nach zwei Jahren Laufzeit wurde dort Bilanz gezogen und aufgezeigt, wie die entwickelten Instrumente künftig im Regelbetrieb eingesetzt werden.
Cairos hatte das Ziel, die Arbeit der Lawinenkommissionen in der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino stärker zu vernetzen und fachlich weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt standen gemeinsame Standards, abgestimmte Ausbildungsinhalte und digitale Werkzeuge für eine einheitliche Risikobeurteilung über Landesgrenzen hinweg.
Gemeinsame Instrumente für 346 Kommissionen
Insgesamt sind in der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino mehr als 2.000 Mitglieder in 346 Lawinenkommissionen tätig – ein Großteil davon ehrenamtlich. Sie beurteilen die Lawinengefahr und beraten Gemeinden sowie weitere EntscheidungsträgerInnen etwa bei Straßensperren oder Maßnahmen im Skigebiet.
Im Rahmen von Cairos wurde eine gemeinsame Ausbildungsstruktur mit abgestimmten Kurskonzepten und Lehrunterlagen aufgebaut. Die Inhalte werden künftig auch über die Plattform „Snow.institute“ zugänglich gemacht. Damit steht ein einheitliches Fundament für Schulung und Weiterbildung in allen drei Ländern zur Verfügung.
Zentraler Baustein ist zudem eine neue Softwareplattform inklusive App. Sie folgt dem Grundsatz „Wahrnehmen, Beurteilen, Handeln“ und ermöglicht es, Beobachtungen direkt vor Ort per Smartphone zu erfassen, Bewertungen zu dokumentieren und empfohlene Maßnahmen strukturiert weiterzugeben. Ab der Wintersaison 2026/2027 soll das System flächendeckend eingesetzt werden.
Ergänzend wurden Lawinenszenariokarten entwickelt, die auf Basis des Lawinenbulletins von „Lawinen.report“ täglich aktualisiert werden können. Damit werden Ergebnisse dynamischer Lawinenmodelle erstmals systematisch für die lokale Entscheidungsfindung nutzbar gemacht.
Internationale Übertragbarkeit
Die Projektpartner präsentierten Cairos bereits 26-mal innerhalb und außerhalb der Euregio, unter anderem beim „International Snow Science Workshop“.
Das Treffen in Tirol machte deutlich, dass Naturgefahren wie Lawinen keine Grenzen kennen. Einheitliche Standards, gemeinsame Daten und abgestimmte Ausbildungswege schaffen daher einen Mehrwert, der über die Euregio Tirol-Südtirol-Trentino hinausreicht und als Modell für andere Alpenregionen dienen kann.



