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18.06.2019Lombardei

Junge Unternehmerinnen und Unternehmer und innovative Betriebe in den Berggebieten der Region Lombardei

Umfeld

In den letzten sechzig Jahren wurden die Berge als Randgebiete, als benachteiligte Regionen gesehen, die man verließ, um im Tal oder in der Stadt günstigere geografische und wirtschaftliche Bedingungen zu suchen. Gleichzeitig waren die Berge für die Städter anlässlich des Sommer- oder Winterurlaubs saisonal nutzbare Ziele, wo man bestenfalls irgendeinem Sport nachgehen konnte. Junge Menschen sind nun aber immer mehr die treibenden Kräfte in einem Prozess der Wiederbelebung und Neubesiedlung der Bergregionen, und zwar auch aus unternehmerischer Sicht.

Aus diesem Grund hat das bei UNIMONT, dem Exzellenzentrum der Staatlichen Universität Mailand angesiedelte Forschungszentrum für die Entwicklung der Berggebiete -

CRC Ge.S.Di.Mont. -, in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für kommunale Gebietskörperschaften, Berge und Kleingemeinden der Region Lombardei eine Studie über Jungunternehmer und Innovatoren in den Bergen durchgeführt. In der Erhebung wurden Unternehmen in den Berggemeinden in sieben lombardischen Provinzen(Bergamo, Brescia, Como, Lecco, Pavia, Sondrio, Varese) untersucht. Klassifiziert waren sie nach dem „Grad der Gebirgigkeit“ und den „Höhenlagen“ (in der Landwirtschaft); bewirtschaftet wurden sie von einem Team im Alter zwischen achtzehn und vierzig Jahren (der Obergrenze nach den EU-Vorschriften für landwirtschaftliche Förderungen) und es gab wenigstens einen jungen Menschen in der Betriebsleitung. 

Ziel der Studie ist eine Darstellung der derzeitigen Situation der in den Bergregionen von jungen Unternehmerinnen und Unternehmern geführten Betriebe. Hierdurch sollen ihre zukünftige Entwicklung durch die Formulierung von Empfehlungen für die Politik und die Förderung eines Dialogs auf Augenhöhe zwischen Unternehmerschaft und Innovationskräften in den Bergregionen vorangebracht und Erfolgsmodelle und -strategien als Orientierung angeboten werden. 

Stichprobe und Studienergebnisse

Im Rahmen der Studie wurden Unternehmerinnen und Unternehmer in 56 Betrieben in den sieben Provinzen (jeweils acht) - Bergamo, Brescia, Como, Lecco, Pavia, Sondrio, Varese - befragt. Die Betriebe sind ein repräsentativer Querschnitt durch die Branchen: Landwirtschaft (19), Handel und Handwerk (13), Tourismus (11), Technologie (18), Kreativwirtschaft (5), Industrie (5). Einige Unternehmen sind in mehr als einer Branche tätig. Von den 56 Betrieben werden 21 von jungen Unternehmerinnen und in 4 von jungen Unternehmern aus dem Ausland geleitet.

In den sieben Provinzen sind 39% der lombardischen Unternehmen angesiedelt; 31% davon befinden sich in Berggemeinden (12% aller Unternehmen der Region). 10% - ca. 11.200 in den Berggemeinden der sieben Provinzen tätige Unternehmen – werden von Jungunternehmerinnen und -unternehmern geführt (3% aller Unternehmen in den untersuchten Provinzen, 1% aller Unternehmen der Region). Mit Blick auf die Zahl der von Jungunternehmern geführten Betriebe stechen vor allem die Provinzen Brescia (10%), Bergamo (10%) und Sondrio (10%) hervor. Die von Jungunternehmern geführten Betriebe in den Berggemeinden der Lombardei sind in 92% der Fälle Kleinstunternehmen mit vier Beschäftigten; 6% haben weniger als zehn Betriebsangehörige.

Auf der Grundlage der für die landwirtschaftlichen Betriebe vorhandenen Daten, einschließlich derer bezüglich der Maßnahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und der Regionalentwicklungsprogramme (REP), konnte für die Landwirtschaft in der Lombardei eine detaillierte Analyse vorgenommen werden. Es zeigte sich, dass der Anteil der von jungen Unternehmerinnen und Unternehmern geführten Betriebe in den Berggebieten über dem regionalen Durchschnitt liegt (18,3% vs. 14,6%). Etwa 50% dieser Betriebe sind auf Viehzucht spezialisiert, 21% auf Obst- und Weinbau und ebenfalls 21% auf Ackerbau.

Schlussfolgerungen

Die Berggebiete bieten eine Vielzahl interessanter beruflicher Perspektiven, Raum für Innovation und Absatzmärkte. Die erhobenen Zahlen verdeutlichen, dass es für Unternehmen und junge Unternehmerinnen und Unternehmer ähnlich viele Chancen gibt wie in den städtischen Räumen und im Tal.

Der Begriff Innovation in Bergregionen bedeutet Technologie, Soziales und Umwelt. „Innovativ tätig zu sein“ heißt also, auf konkreten Bedarf nachhaltig, neuartig und menschen- und umweltgerecht zu reagieren.

Abschließend ist festzustellen, dass sich aus der Studie ein Bild der Bergregionen in der Lombardei ergibt, das aus unternehmerischer Sicht in verschiedenen Branchen (Tourismus, Handel und Handwerk, Landwirtschaft, Technologie, Industrie) reich, vielfältig und interessant ist. Wer sich entschließt, beruflich in die Landwirtschaft zurückzukehren oder dort zu bleiben, tut dies oft auf der Grundlage innovativer Ideen und mit einem Auge auf Technologie, Soziales, Nachhaltigkeit und Artenvielfalt.

Weitere Informationen unter: https://www.unimontagna.it/servizi/imprese-in-montagna/ 

Links zu den Videos zur Reportage (mit englischen Untertiteln): 

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