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08.01.2020Lombardei

HANFANBAU IN RANDLAGEN IM GEBIRGE

Hanf ist eine zur italienischen Tradition gehörige Wirtschaftspflanze, die ein erhebliches Potenzial für die Bioökonomie aufweist. Sie ist sehr widerstandsfähig, für den Bioanbau geeignet und kann vielfältig genutzt werden, so auch für die Erzeugung von Substanzen für funktionelle Lebensmittel.

Zwei Herstellungsbetriebe von Arzneipflanzen im Valsaviore, einem Seitental des Valcamonica, haben in einer Höhenlage von 1.200 m ü. M. Versuchsfelder angelegt und züchten einhäusige und zweihäusige Hanfsorten, um die Eignung dieser Pflanze für einen Anbau in Bergregionen zu testen. Der Versuchsanbau wurde in Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster UNIMONT der Universität Mailand durchgeführt.

Beide getesteten Hanfsorten (Futura 75 und Finola) erwiesen sich als geeignet für den Anbau in Hochlagen; der Zuwachs an Biomasse war dabei dem in Tallagen vergleichbar, der Gehalt an Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC, die im Hanf enthaltene psychoaktive Substanz) lag, trotz des möglichen Einflusses der besonderen Bedingungen in Gebirgslagen (stärkere Ultraviolettstrahlung und Stress durch Klima und Boden), weit unter dem gesetzlich zugelassenen Grenzwert. Vertiefte Analysen von Blütenständen und Samen ergaben des Weiteren eine interessante Zusammensetzung anderer, nicht psychoaktiver Cannabinoide und von Terpenen in den Blütenständen, sowie das Vorkommen von an Omega 3 und Omega 6 reichen Fettsäuren in den Samen, wobei es zwischen den beiden Sorten erhebliche Abweichungen gab.

Es konnte somit nachgewiesen werden, dass Hanf für die Erzeugung von Verbindungen für funktionelle Lebensmittel und Heilkräuter in alpinen Randlagen von Interesse sein könnte und dass die Wahl der Sorte für den Anbau mit Blick auf die Verwendung in Ernährung und Landwirtschaft abzuwägen ist.

Vom Exzellenzzentrum UNIMONT über die hanferzeugenden Betriebe in Italien durchgeführte Studien haben ergeben, dass die Betriebe oft multifunktional sind, von jungen Unternehmerinnen und Unternehmern geführt werden (57% der Landwirtinnen und Landwirte sind jünger als 35 Jahre) und die Nutzung von bisherigem Brachland in Randlagen ermöglichen (43 %  der landwirtschaftlichen Betriebe).

Ein klaren Vorschriften unterliegender und von den zuständigen Stellen systematisch kontrollierter Hanfanbau könnte für Regionen im Gebirge und in Randlagen eine Entwicklungschance sein, erfreut sich die Pflanze doch aufgrund der zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten und der wachsenden Nachfrage nach umweltfreundlichen und nachhaltigen Erzeugnissen seitens der Verbraucher erneut großer Attraktivität.

Valeria Leoni¹, Luca Giupponi¹, Radmila Pavlovic¹, Anna Giorgi¹
¹Ge.S.Di.Mont - Exzellenzzentrum UNIMONT- Edolo - www.unimontagna.it

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